Zurück

Das Metrum in der deutschen Dichtung: Eine Einführung

Das Metrum ist ein essentielles Element in der deutschen Dichtung, das den Rhythmus und die Struktur eines Gedichts bestimmt. Es ist, als ob die Worte und Silben in einem Gedicht nach einem bestimmten Takt tanzen, und das Metrum ist der unsichtbare Dirigent dieses musikalischen Tanzes. In diesem Artikel werden wir das Metrum genauer untersuchen und einige verschiedene Metren anhand bekannter deutscher Gedichte von berühmten Autoren erklären.

Silben zählen und betonen:

Um das Metrum eines Gedichts zu verstehen, ist es zunächst wichtig, die Silben zu zählen und ihre Betonung zu erkennen. Silben bestehen aus einem oder mehreren Lauten, die zusammen eine Einheit bilden. Beim Vorlesen eines Gedichts werden betonte Silben lauter ausgesprochen und durch eine leichte Hebung der Stimme gekennzeichnet. Diese betonten Silben werden als "Hebungen" bezeichnet. Im Gegensatz dazu werden unbetonte Silben leiser ausgesprochen, und die Stimme senkt sich dabei. Diese unbetonten Silben werden als "Senkungen" bezeichnet.

Um die Betonung von Silben zu erlernen, kann es hilfreich sein, Gedichte laut und deutlich vorzulesen, wobei die Betonung der Silben betont wird. 

Hier ist ein Beispielwort, bei dem du die Betonung nachvollziehen kannst. Dabei sind die betonten und unbetonten Silben markiert:

Schu | le

Das Metrum bestimmen

Die Bestimmung des Metrums beginnt damit, alle Silben im Gedicht voneinander zu trennen. Dies kann beispielsweise durch Trennstriche erfolgen:

Theodor Storms “Die Stadt”

Am | grau | en | Strand, | am | grau | en | Meer

Und | seit | ab | liegt | die | Stadt;

Der | Ne | bel | drückt | die | Dä | cher | schwer,

Und | durch | die | Stil | le | braust | das | Meer

Ein | tö | nig | um | die | Stadt.  

Anschließend werden die betonten und unbetonten Silben in den Versen markiert. Betonte Silben können mit einem "X" oder einem "-" und unbetonte Silben mit einem "x" oder einem "" markiert werden.

  x   -   X   -  x  -     X     -   x   -   X   -  x  -   X
Am | grau | en | Strand, | am | grau | en | Meer
  x   -  X  -  x  -   X   -   x  -   X                  
Und | seit | ab | liegt | die | Stadt;

Dann erfolgt die Zählung der betonten Silben (Hebungen) pro Vers. In unserem Beispiel gibt es vier Hebungen, was bedeutet, dass das Metrum vierhebig ist. Es gibt auch Metren mit zwei, drei, fünf oder sechs Hebungen.

Es ist wichtig zu beachten, dass oft die erste Strophe eines Gedichts ausreicht, um das Metrum zu erkennen, da das Metrum und die Anzahl der Hebungen pro Vers normalerweise im gesamten Gedicht gleich bleiben. Es gibt jedoch Ausnahmen, die berücksichtigt werden sollten.

Schließlich erfolgt die Benennung des Versfußes, der die kleinste Einheit in einem Vers darstellt und sich mehrmals wiederholt. In diesem Fall handelt es sich um einen Jambus. Wobei der letzte Vers eine Ausnahme bildet und eintönig immer auf der ersten Silbe betont wird. 

Am | grau | en | Strand, | am | grau | en | Meer

Und | seit | ab | liegt | die | Stadt;

Der | Ne | bel | drückt | die | | cher | schwer,

Und | durch | die | Stil | le | braust | das | Meer

Ein | | nig | um | die | Stadt.  

Jambus:

Der Jambus ist in deutschen Gedichten weit verbreitet und zeichnet sich dadurch aus, dass eine unbetonte Silbe auf eine betonte Silbe folgt. Der Jambus kann mit den Symbolen "∪ –" oder "xX" abgekürzt werden. Ein bekanntes Beispiel für einen vierhebigen Jambus findet sich in Schillers Ballade "Der Ring des Polykrates".

Trochäus:

Der Trochäus weist eine umgekehrte Silbenabfolge auf, bei der eine betonte Silbe einer unbetonten Silbe vorangeht. Der Trochäus kann mit den Symbolen "– ∪" oder "Xx" abgekürzt werden. Ein Beispiel dafür ist C. F. Meyers Gedicht "Abendrot im Walde".

Daktylus:

Der Daktylus ist ein dreisilbiger Versfuß, bei dem eine betonte Silbe von zwei unbetonten Silben umgeben ist. Der Daktylus wird mit den Symbolen "– ∪ ∪" oder "Xxx" gekennzeichnet. Friedrich Rückerts Gedicht "An den Sturmwind" ist ein Beispiel für den Daktylus.

Anapäst:

Der Anapäst ist die Umkehrung des Daktylus, bei dem auf zwei unbetonte Silben eine betonte Silbe folgt. Der Anapäst wird mit den Symbolen "∪ ∪ –" oder "xxX" abgekürzt. Ein Beispiel für den Anapäst findet sich in Schillers Ballade "Der Taucher".

Metrum

Metrum interpretieren

Verschiedene Metren werden in der Dichtung als Stilmittel genutzt, um eine breite Palette von Effekten und Emotionen zu erzeugen. Hier ist eine detaillierte Erklärung, wie verschiedene Metren als Stilmittel eingesetzt werden:

  1. Jambus:

  • Ruhe und Harmonie: Der Jambus wird oft verwendet, um ein ruhiges und harmonisches Gefühl zu erzeugen. Durch die betonte Silbe am Ende des Verses wirkt der Rhythmus sanft und fließend, was gut zu beschaulichen Szenen oder positiven Themen passt.
  • Melodie und Eleganz: Aufgrund seiner melodischen Natur wird der Jambus oft in Liebesgedichten oder lyrischen Versen eingesetzt. Er kann Eleganz und Anmut vermitteln und die Worte regelrecht singen lassen.
  • Spannungssteigerung: Wenn ein Gedicht plötzlich von einem anderen Metrum in den Jambus übergeht, kann dies eine dramatische Spannungssteigerung erzeugen, da es den Leser unerwartet aus der vorherigen Stimmung reißt.
  1. Trochäus:

  • Dynamik und Lebhaftigkeit: Der Trochäus wird verwendet, um eine lebendige und dynamische Atmosphäre zu schaffen. Die betonte Silbe zu Beginn des Verses verleiht dem Gedicht Schwung und Energie.
  • Betonung von Emotionen: In Gedichten, in denen starke Emotionen oder Leidenschaft zum Ausdruck gebracht werden sollen, kann der Trochäus verwendet werden, um diese Gefühle zu betonen und zu verstärken.
  • Akkentuierung von Handlungen: Wenn es darum geht, Handlungen oder Bewegungen zu beschreiben, kann der Trochäus den Eindruck von Bewegung und Aktivität verstärken.
  1. Daktylus:

  • Feierliche Atmosphäre: Der Daktylus wird häufig in feierlichen oder festlichen Gedichten verwendet. Die betonte Silbe am Anfang des Verses verleiht dem Gedicht eine erhabene und feierliche Qualität.
  • Höhepunkt und Betonung: Wenn ein Gedicht auf einen Höhepunkt oder einen wichtigen Moment zusteuert, kann der Daktylus verwendet werden, um diesen Moment besonders zu betonen.
  • Rhythmisches Tempo: Der Daktylus kann ein schnelles und rhythmisches Tempo erzeugen, was in Gedichten mit fließenden Bewegungen oder schnellen Veränderungen nützlich sein kann.
  1. Anapäst:

  • Beschleunigung und Spannung: Der Anapäst wird oft eingesetzt, um Spannung aufzubauen oder eine schnelle Abfolge von Ereignissen darzustellen. Die betonte Silbe am Ende des Verses erzeugt ein Gefühl von Beschleunigung.
  • Leichtigkeit und Verspieltheit: In leichteren Gedichten oder humorvollen Versen kann der Anapäst verwendet werden, um eine verspielte und humorvolle Stimmung zu schaffen.
  • Kontrast und Aufmerksamkeit: Wenn ein Gedicht von einem anderen Metrum in den Anapäst wechselt, kann dies einen auffälligen Kontrast erzeugen und die Aufmerksamkeit des Lesers auf eine bestimmte Stelle im Gedicht lenken.

Insgesamt sind Metren in der Dichtung äußerst vielseitige Stilmittel, die Dichter nutzen, um den Klang, das Tempo und die emotionale Wirkung ihrer Gedichte zu steuern. Die Wahl des richtigen Metrums kann entscheidend dazu beitragen, die beabsichtigte Botschaft oder Stimmung im Gedicht zu vermitteln.

Du möchtest Gedichtanalysen üben? Dann schau bei avidii vorbei und begeistere dich für eine flexible Online-Nachhilfe, die sich an die individuellen Bedürfnisse deines Kindes anpasst! Teste avidii JETZT kostenlos!

BESTE NOTEN
mit privater Nachhilfe!

Jetzt gratis testen

Schon gewusst?

Es gibt eine 24/7 Lernhilfe speziell für die Gymiprüfung!
In 60 Sek verbunden!